"Die letzte Träne ... - ... hebt sie auf"

Die letzte Träne ... - ... hebt sie auf

 

Der Herbst hat überall seine Spuren hinterlassen. Bunt gefärbt ist das Laub der Bäume, Blätter rieseln zu Boden, die Blumen im Garten gehen zur Neige.

Ich sehe sie draussen, wie sie die Kraft der Sonne tankt. Zufriedenheit und Glückseligkeit huschen über ihr Gesicht. Ohne eine Miene zu verziehen, geht sie ihren Geschäften nach. Mit Stolz, mit Kraft, mit Tatendrang.

Herbst - was für ein vielschichtiger Begriff.

Im Herbst kommen die Trauben, so sagt man. Der Herbst ist die Zeit der Ernte, das weiß man. Das Alter - der Herbst des Lebens.

Ich sehe sie draussen, wie sie stolz auf ihr Lebenswerk blickt. Rückblick auf das Geschaffene. Warm rollt langsam eine Träne über die Wange. Erinnerungen werden wach, die Augen leuchten wie die eines Kindes. Mit jedem Baum, mit jedem Strauch knüpft sie die Verbindungen. All das, was sie hier sieht, spürt und geniesst - das ist der Lohn ihres Lebens.

Rückblick im Herbst.

Der Blick ist starr. Er schaut gerade aus. Kein Muskel im Gesicht verrät eine Regung. Das Haar ist silbern und weht leise im Wind. Sie hat es nicht gewusst. Doch sie bekommt ihn auch zu spüren - den eisigen Wind.

Lange, sehr lange verharrt sie auf diesem Fleck und starrt auf die eisige Mauer. Sie atmet tief durch - und dreht sich um. Auf sie wartet ihr gemütliches, warmes, persönliches Heim. Mit all seinen - ihren - Schätzen.

Eine Träne ringt sich aus den leeren Augen heraus. Sie schafft es nicht, sich den Weg über das Gesicht zu bahnen.

Die letzte Träne ... - ... hebt sie auf.
 
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"Warum? - Der Weg nach vorn." (09/2004)

"Für einen lieben Menschen" (09/2004)

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