"Der mediterrane 'Tick'"


 


 

Vorbei ist der Winter. Vorbei die klirrende Kälte. Ach, wie sehr habe ich schon darauf gewartet. Nicht nur ich. Viele.


 

Die ersten Sonnenstrahlen locken. Sie fordern förmlich dazu heraus, ins Freie zu gehen. Die Räder sind geputzt, die Motorräder und die Cabrios werden aus ihrem Winterschlaf geweckt. Die Krokusse gehen sachte zur Neige - ihre Zeit ist schon vorbei. Narzissen und Tulpen stehen in voller Blüte. Herrlich, diese Frühlingszeit.


 

Jeder merkt es, dass es wärmer wird. Und die Tage länger. Die Strassencafés bieten nun auch ihre Sitzplätze draussen wieder an. Viele werden sich daran erfreuen, viele werden es geniessen.

Und wer in der Nähe eines Flughafens wohnt, auch der wird es bemerken. War der Winterflugplan noch relativ ruhig, so heben jetzt wieder mehr und mehr Silbervögel gen Süden ab. Es haben sich schon einige Leute verabschiedet, die nun ein paar sonnige Erlebnisse in Griechenland, Spanien oder an einem anderen schönen Plätzchen rund ums Mittelmeer tanken möchten.

So mancher Daheimgebliebene möchte sehr gern tauschen und blickt neidvoll in die Ferne. Was gäbe ich darum, in wenigen Tagen die Osterprozession in Griechenland mitzuerleben. Wie die Leute sich dort gut zwei Stunden vor Mitternacht in der Kirche einfinden. Im Inneren der Kirche ist alles wunderschön mit roten und weissen Blumen dekoriert. Von den Rahmen der Ikonen ist nicht mehr viel zu sehen - auch sie wurden in Blumen eingehüllt.

Die Ostermesse war ein riesiges Erlebnis. Insbesondere zu dem Zeitpunkt, wo das Lebenslicht weitergereicht wurde, ausgelöst durch eine einzige Kerze. Jeder hat in dieser Nacht ein Stück dieses Lichts seinem Nächsten gegeben. Egal ob Mann, Frau, Freund oder Gast. Wie viel leuchtende Augen haben die Kirche verlassen, um das anschliessende Feuerwerk zu bewundern. Es war beeindruckend.

Aber auch für den Daheimgebliebenen, der Ostern ganz traditionell im Garten verbringt, verbergen sich mediterrane Ideen im Umfeld. Damit meine ich aber nicht das neueste Wohnungsjournal, das mir den südlündischen Wohnstil näher bringen möchte. Ich meine auch nicht den Spaziergang durch den Botanischen Garten, wo die prächtigen Gewächshäuser sehr viele Pflanzen griechischer, spanischer, portugiesischer Herkunft beherbergen. Das ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel, ich gebe es zu. Und ich versäume es grundsätzlich nicht, auch die kretische Palme zu bewundern, die in sehr jungen Jahren von Vai nach Berlin gekommen ist.

Ich spaziere in dem Großstadtgewühl die Leibnitzstrasse entlang. Bis ich am "Samos" angelange. Diesen Weg kann ich gar nicht verfehlen. Sehr oft bin ich schon dort eingekehrt. Aber: Jetzt kann ich diesen Weg schon gar nicht mehr verfehlen. Durch die vielen Sonnenstrahlen sind die Fenster des Lokals geöffnet. Tische und Stühle stehen zusätzlich auf dem Bürgersteig.

Der Chef persönlich bringt die eine oder andere Grillplatte zu den Gästen. Einige sitzen bei einer Tasse griechischen Kaffee und einer Portion Tzatziki. Die Sonne, die Düfte, die Musik, die Fröhlichkeit - nein, wir sind nicht im Urlaub. Wir holen uns dieses Flair in den Alltag, vielleicht auch jetzt - zu Ostern.

Nach dieser guten Einkehr wäre es fast ein Frevel, den wohl und intensiv genossenen Hauch des Mittelmeeres ruckartig zu verlassen. Nur schräg gegenüber befindet sich der Benjaminplatz. Er ergänzt dieses traumhafte Erlebnis um einige Nuancen. Nein, griechische Lokale gibt es hier nicht. Es sind zwei italienische Restaurants. Aber auch hier ist es lohnenswert, sich noch einmal niederzulassen. Warum?

Die zwei italienischen Restaurants haben ihre Biergärten mit einer besonderen Umrandung versehen. In dem einen sind Olivenbäume, der andere dekorierte seinen Garten mit Zitronen. Die Häuser an diesem Platz sind ziemlich hoch; eine Häuserfront sehr grau - aber mit französischen Balkonen ausgestattet. Ab dem Frühjahr gedeihen dort wieder Geranien, in einem prächtigen Rot.

Die Gäste der Lokale und auch die vorüberziehenden Passanten werden von dem imposanten Spring- brunnen angelockt. Jede Viertelstunde neu beginnen die Wasserspiele - für einen Augenblick.

Strahlender Sonnenschein, der jeden Fleck auf diesem Platz erreicht, der Springbrunnen mit den Wasserspielen, dazu Citrus- und Olivenbäume - wer denkt in diesem Augenblick, dass er inmitten einer deutschen Großstadt ist?

Zu Hause wieder angekommen, da zieht es mich förmlich zu den Pflanzen. Welch eine Freude, welch ein Genuß! Der Olivenbaum hat Blüten angesetzt. Eine schwarze Olive aus dem Vorjahr hängt immer noch daran. Und die Freude wird noch größer: Zwei Blüten am Orangenbaum sind aufgegangen. So klein diese Bäumchen noch sind - aber sie tragen schon Blüten. Meine Nase nähert sich und geniesst diesen Duft.

Ostern, ist ein besonderes Fest in Griechenland. Es ist im Grunde genommen das bedeutendste des Jahres. Und wenn wir nun daheimgeblieben sind, um auf traditionelle Weise im Garten die Ostereier zu suchen - so kann es doch gelingen, für einen Tag in die Ferne zu schweifen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Mitgliedern und auch Lesern des kleinen Forums hier, ganz gleich, wo sie diese Feiertage geniessen:


 


 

Kalo Pasxra - Frohe Ostern.


 


 

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"Der/die Esel auf Kreta"  

"Wo sich Herz und Seele die Hand geben, da ist Kreta"

"Augenblick(e) - Erinnerungen und Gegenwart" 

"Eine Reise mit Hindernissen"

"Die Kraft des Meeres"     

"Lebensbaum/-traum""Tsampika oder Tsampikos?"

 

 "Warum? - Der Weg nach vorn."   Das Gedicht gehört zur eingerichteten Rubrik "(Ge)Wissen".

Neu: "Für einen lieben Menschen"   Das Gedicht gehört zur eingerichteten Rubrik "(Ge)Wissen".Copyright:



 

 

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