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Wenn Giraffen lügen... - oder Warum es sich lohnt, ein Wolf zu sein“

Anmerkung: Diese Ausarbeitung entstand auf der Basis eines Seminars, dass ich besucht habe und entsprechend eine gleichlautende Abschlussarbeit darüber erstellte. Sie hat den Charakter einer Fabel und  beit  


Der Kurs „Einfühlsame Kommunikation“ hat mich sin seiner Gesamtheit an mein Abitur erinnert – ganz speziell an die Biologie. Und zwar an die Begriffe „Mutation“ und „Modifikation“. Bei der Mutation verändert sich sowohl das innere als auch äussere Wesen; die Modifikation zeichnet sich dadurch aus, dass die inneren Anlagen unverändert bleiben – die äussere Form passt sich der Umgebung an.


Ein sehr einfaches Beispiel möchte ich zu Beginn auswählen. Ich habe einen Faible für Citruspflanzen. Auf dem Markt habe ich wunderschöne Zitronen erhalten. Saftig und mit Kernen. Ich nehme diese Samen und stecke sie in die Erde. Der Samen geht auf; ich pflanze jeden jungen Trieb in einen eigenen Topf. In der Entwicklung sind sie noch auf einer Ebene. Einen Topf verschenke ich an einen lieben Freund. Ich möchte ihm damit eine Freude machen. Er hat diese Pflanze nicht nötig – doch er nimmt sie mit Liebe und Achtung entgegen. Das Klima ist mild, er pflanzt dieses kleine Bäumchen in seinen Garten. Und es vergeht nicht viel Zeit, da trägt es Früchte. Der Geschwisterbaum ist bei mir geblieben. Es fehlt an Sonne, Wärme und Licht. Seine äussere Form kommt in keinster Weise dem Geschwisterbaum in der Ferne gleich. Und doch sind sie aus einer Frucht.


Das Beispiel ist abstrakt – jedoch für eine Modifikation treffend.


Der Leitspruch in dem Kurs lautete: „Auf meine Gefühle hören“. Das habe ich getan. Als Wolf und habe in der Giraffe die Wolfsaugen blitzen sehen. Es waren Wolfsaugen, die mir sehr vertraut waren. Ich kannte diese Augen. Ein Wolf vergisst sein Rudel nicht. Der Wolf wird es immer spüren, wenn ein Glied seines Rudels in der Nähe ist oder ihm gar gegenüber sitzt.


Ich schäme mich nicht ein Wolf zu sein. Ich brauche keine Maske und kein Kostüm, es darf jeder sehen. Es darf jeder sehen, wenn ich traurig oder fröhlich bin. Wenn ich lache und wenn ich weine. Auch ein Wolf kann seine Gefühle zeigen. Ein weisser Wolf in einem Rudel grauer Wölfe mag zwar vom Äusseren sich abheben – doch seine inneren Anlagen gleichen dem Kern der anderen. Und so fühlt er es, wenn es den anderen seines Rudels nicht gut geht. Wenn sie versuchen, ihn zu betrügen – ihn aufgrund seines „Makels“ auszugrenzen.


Ich kenne die Giraffe mit den Wolfsaugen. Ich kenne den Kern ihrer Anlagen. Sie ist groß. Doch ich habe keine Angst vor ihr. Ich weiß, dass sie heimlich weint. Diese Giraffenaugen schauen sehr oft hilflos und traurig. Es ist die Erinnerung, die in ihr aufsteigt. Die Giraffe blickt stolz von oben herab. Sie räkelt ihren langen Hals und lässt ihre verschämten Tränen schnell von der Sonne trocknen. Sie will nicht, dass der weisse Wolkf ihre Tränen sieht. Sie will ihn in dem Glauben lassen, dass er sich irrt. Sie grenzt ihn somit aus, wie die anderen Wölfe auch. Das ist logisch, denn ihre Farbe war im Ursprung grau. Und er ist weiss.


Doch warum ist dieser Wolf weiss geworden? Warum erhielt er nicht die Farbe seiner Wolfseltern und

Wolfsgeschwister? Vielleicht weil er die vielen Jahren einsam war und isoliert – oder lag es an dem falschen

Platz? Warum sträubt sich die Giraffe so sehr dagegen an, zu erkennen, dass ihre gegenwärtige Form nur durch Modifikation gelang. Die Giraffe glaubt an eine Mutation. Ihr erging es doch nicht anders als dem weissen Wolf. Die Giraffe hat sich durch ihre Modifikation sehr verändert.


Der weisse Wolf ist traurig. Sehr traurig. Er spürt es, wie die Giraffe ihn für einen grauen Welpen hält. Er

sieht es, wie die Wolfaugen der Giraffe dem Blick der Wolfsmutter ausweichen. Er fühlt, wie das Wolfs-

herz in der Giraffe dagegen ankämpft, sich zu der Herkunft zu bekennen. Der weisse Wolf war tief berührt, als er in dem Giraffengesicht die vertrauten Wolfsaugen sah. Wurde er in seinen Gefühlen oft belogen und betrogen – doch das erworbene Wissen konnte ihm keiner wegnehmen. Die Schule der Kindheit gab ihm Wissen; die Schule des Leben das Gefühl und die Sensibilität.


Der weisse Wolf ist müde. Er sieht das Herz der Giraffe klopfen. Er sieht es ganz deutlich. Es ist ein

Klopfen der Aufregung, der Freude und der Hilflosigkeit. Das Herz der Giraffe fährt Achterbahn. Achter-

bahn mit den eigenen Gefühlen. Dieses Herz ist im Rausch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Zwischen Wolf und Giraffe.


Der weisse Wolf weiss ganz genau, dass er und die Giraffe durch den gleichen Geburtskanal gegangen

sind. Sie haben den gleichen Kern, den gleichen Ursprung. Die gleichen Wolfseltern und die gleichen

Wolfsgeschwister.


Das Fell des weissen Wolfes ist struppig. Durch sehr viele Dornensträucher ist er gegangen. Er hat

die Ohren gespitzt und die Augen offen gehalten, nur um das fehlende Glied in der Kette zu suchen.

Auch die Wolfsmutter hat er dabei versucht zu schützen. Sie ist alt. Und hat dennoch über 40 Jahre

Kinder groß gezogen. 8 Kinder. Wenn auch wölfisch.


Ich sehe diesen sehnsüchtigen Blick der Wolfsmutter, wenn sie die Giraffe sieht. Sie blickt mit Stolz

auf diese Giraffe. Aber ich sehe auch die Traurigkeit in ihren Augen. Da war die Freude, da war das Glück

und doch kam die Lüge. An der Bewegung der Giraffe hat die Wolfsmutter ihr eigenes Fleisch und Blut

erkannt. Sie sieht das Blitzen in den Augen, sie beobachtet den Gang, sie beobachtet jede Bewegung. Und

sie hat noch etwas: den Mutterinstinkt.


Die Giraffe wehrt sich noch immer. Nein, nein, nein – ich will kein Wolf mehr sein. Sie hat sich losgerissen

von dem Rudel, um ihre jetzige Gestalt anzunehmen.


Sie schaut von oben herab und erblickt das graue Rudel – ihr ursprüngliches Rudel. Es ist ein großes

Wolfsreservat. Als die grauen Wölfe die Giraffe erblicken, reagieren sie erschrocken und frustriert.

Eifersüchtig, wütend und zornig begeben sie sich in eine Ecke. Die Wolfsmutter wirkt verletzt und ver-

bittert. Sie hat die Giraffe noch nicht gesehen und versteht nicht die Aufregung ihrer Jungen.


Auch der weisse Wolf ist irritiert. Aber er geht freundlich lächelnd auf die Reservatenpforte zu. Er öffnet

die Pforte und bittet die Giraffe herein. Er sieht in den Augen die Wolfsblitze. Ein Strahlen! Ein Lächeln!

Eine Freude! Er weiss es ganz genau, sie gehört dazu. Er ist glücklich zu sehen, dass noch ein Rudelglied

eine andere äussere Gestalt hat. Die Giraffe kam, um den Platz einzunehmen, den ihr der weisse Wolf all

die Jahre gehalten und auf seinen eigenen unwissentlich verzichtet hat.


Was der weisse Wolf nicht ahnen konnte: Im Inneren der Giraffe schlug das Herz des grauen Wolfes.


Meine Moral:

Ich muss keine Giraffe sein, um gewaltfrei zu kommunizieren. Das kann ich auch als weisser Wolf. Ich

gehöre zu einem Rudel brutaler, grauer Wölfe. Auch wenn ich weiss bin. Auch wenn ich mir Wissen an-

eigne oder gar in ein sehr weit entferntes Revier siedele. Mein Kern bleibt bei den grauen Wölfen.


Diese Herkunft werde ich nicht leugnen, möge es noch so schwer gewesen sein. Ich brauch mich nicht zu

verstecken. Mein Aussehen war schon immer weiss und kann auch weiss bleiben. Denn dieser weisse

Wolf ist Bestandteil des grauen Rudels.


Ich möchte nicht mit der Giraffe tauschen. Sie mag in Form und Verstand der Giraffe ähneln. Doch so lange

in ihr das Herz der grauen Wölfe schlägt, wird sie im Kern immer eine graue Wölfin bleiben.

Verleugnet die Giraffe jedoch nach außen dieses Herz der grauen Wölfe, so wird sie im Inneren immer

mehr zum brutalen grauen Wolf und verliert den Glanz der stolzen Giraffe.


Danke:

An dieser Stelle möchte ich mich bei Frau A.* und Frau E. herzlich bedanken. Der Kurs der „Einfühlsamen Kommunikation“ ist ein Geschenk für mich. Ein sehr großes Geschenk.


Ich bin als Wolf in den Kurs gekommen und werde auch als Wolf den Kurs verlassen. Aber als ein Wolf,

zu dem ich auch wirklich stehe. Ein weisser Wolf. Ich fühle mich in der Haut der Giraffe nicht wohl, da

sie nicht zu mir gehört. Sie ist nicht mein. Ich bin nicht als Giraffe zur Welt gekommen. Und ich muss mich

nicht mit dieser Haut umgeben. Sie ist nicht echt. Damit würde ich ein erhebliches Stück meiner Natürlich-

keit und meines Ichs verlieren. Sowohl meines „kleinen ICHs“ als auch von dem „großen ICH“.

Ich muss meine Gefühle nicht wölfisch ausdrücken. Auch nicht meine Bedürfnisse. Selbst Bitten lassen

sich so formulieren, dass sie erhört werden.


Der Kurs hat mir Halt gegeben, dass ich auch als weisser Wolf durchaus positive Lebensqualitäten habe.

Ich habe mich darauf besonnen, dass ich dieses weisse Fell nur dadurch erhalten konnte, weil meine Herz

noch Wärme abgab, obwohl es in dem Rudel grauer Wölfe nicht mehr soviel Wärmestrahlen empfangen

konnte.


Diese Wärme vom Herzen konnte sehr viele Menschen im Aussen erreichen. Und sie reflektierten diese

Energie mit leuchtenden Augen und Freude. Sicher, die Wärme vom Aussen ist nicht so intensiv wie vom

Innen – doch sie kann dennoch Trost und Anerkennung spenden.


Mein Herz wollte abkühlen. Ich habe mich dagegen gewehrt. Ich war nicht mehr in der Lage, Wärme ins

Aussen abzugeben. Jedenfalls nicht genug, dass die Reflexion für die Aufrechterhaltung meines Herzens

ausgereicht hätte.


Doch als ich nun gesehen habe, dass selbst Wölfe in Giraffenhaut nicht unbedingt glücklich sind, da

wuchs mein Selbstvertrauen und meine innere Stärke. Ich begann mich endlich selbst zu achten – als ein

weisser Wolf.

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